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Wären wir heute noch befreundet? Ein Lobgesang auf langjährige Kontrast-Freundschaften

 

 

Während wir zwischen Schulzeit, Studium und Berufseinstieg immer wieder die Freundeskreise wechseln, gibt es einige Goldstücke, die auch nach der dritten Feinsiebung noch hängen bleiben. Jene nennen wir dann „beste Freunde“ oder Seelenverwandte – sie werden unsere Retter in schwierigen Lebensphasen, unsere Trauzeugen, Patenonkel oder Notfallkontakte.

 

Je länger man mit solchen Goldstücken befreundet ist, desto weiter driften die Interessen auseinander. Kein Wunder, denn meist lebt man in verschiedenen Lebensumständen und teilt weder seine Alltagsroutine noch die beruflichen Herausforderungen miteinander. Das Leben formt den Charakter in vollkommen verschiedene Richtungen und dennoch fällt man sich bei jedem Wiedersehen in die Arme und redet, als hätte man sich gestern erst gesehen. Man hat sich schon zerstört am Boden gesehen und sich in undenkbaren Situationen die Haare gehalten – es ist also kein Smalltalk mehr nötig. Wenn einer von beiden damit anfangen sollte und seine Alltagsmaske trägt, hat der andere bereits die Werkzeuge in der Hand, um das Gerüst einstürzen zu lassen und die Seele zum Vorschein kommen zu lassen. Das ist wirklich gute Freundschaft.

 

Dennoch bäumt sich irgendwann eine bohrende Frage auf, weil zwei ganz unterschiedliche Werte- und Lebensvorstellungen aufeinander prallen: Wären wir heute noch befreundet? Dieser Gedanke ist ganz und gar unvermeidbar: Wenn man sich heute auf einer Geburtstagsparty ganz neu kennenlernen würde, käme dann überhaupt noch der Satz: „Wir müssen mal was machen“?

 

Nur weil dies schwer zu beantworten ist, heißt das nicht, dass die Freundschaft in Gefahr ist. Im Gegenteil, denn langjährige kontrastierende Freundschaften haben eine mächtige Kraft: Sie bringen uns dazu, uns selbst zu hinterfragen, während wir uns auf sicherem Terrain bewegen. Sie lassen uns unbekannte Lebensentwürfe gutmütig aufnehmen und inspizieren, weil sie von unseren besten Freunden gelebt werden. Sie bringen uns dazu, zu sagen: Deine Ansicht ist zwar meilenweit von meiner entfernt, aber ich kann nachvollziehen, warum du so denkst. Jene Verbindungen zwingen uns aus unserem vertrauten Pool gleichdenkender Menschen heraus und konfrontieren uns mit neuen Welten – sanft, vertraut, wohlwollend und mit offenem Herzen.

 

Aus diesem Grund sollten wir bei Diskussionen über verschiedene Gehaltsvorstellungen, Urlaubsziele oder politische Werte bei unseren alten Freunden nicht die Nase rümpfen, sondern sie mit einem verschmitzten Lächeln anschauen. Und dabei denken: Wenn ich euch nicht hätte, was wäre ich dann für ein eindimensionaler, eingekesselter und abgestumpfter Mensch.  

 

 

Andrea Bruchwitz

 

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