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Warum Muttersein wahre Zeitlosigkeit lehrt

 

„Und, wie sieht’s mit Kindern aus?“ Wenn man junge Frauen zu diesem konfliktbeladenen Thema befragt, lässt sich die Antwort in zwei Kategorien einordnen. Einerseits gibt es unabhängige Freiheitsliebende, die sich ein Leben mit Kind noch nicht im Geringsten vorstellen können und bei jedem Brautstraußwurf in die hinterste Ecke huschen. Andererseits gibt es beseelte Frauen mit leuchtenden Augen, die definitiv dazu bereit sind und sich offenen Herzens ins Mutterabenteuer stürzen wollen. Oder am liebsten gleich ihr zweites Kind in den Armen halten würden.

 

Diese beiden Frauentypen befinden sich an gegensätzlichen Polen und können sich wegen der eigenen Überzeugung noch nicht oder nicht mehr richtig in die andere Position hineinversetzen. Dennoch können beide Seiten wertvolle Lektionen voneinander lernen. Die frischgebackene Mutter muss früher oder später von ihrer Single-Freundin dazu animiert werden, endlich eine Massage oder ein romantisches Wochenende ohne Kind zu buchen. Die kinderlose Freiheitsliebende kann von der Weisheit profitieren, die nur durch das Gebären eines Kindes entsteht. Ja, Mütter lernen Zeitlosigkeit, Achtsamkeit und Dankbarkeit in einer Dimension kennen, die anderen verschlossen bleibt.

 

Das Protokoll einer jungen Mutter, die von einem winzigen Wesen die wichtigsten Lektionen ihres Lebens gelernt hat:

 

„Seit ich im vergangenen Jahr von der Existenz meiner Tochter erfahren habe, hat für mich ein neues Leben begonnen. Das hört sich sehr klischeehaft an, also muss ich anmerken, dass ich auch ohne Kind sehr zufrieden war und mein Leben in vollen Zügen genossen habe. Mein Glück hing definitiv nicht von einem Baby ab. Dennoch kann ich sagen, dass das neue Leben mit mehr Leichtigkeit beseelt ist. Seit ich Mutter geworden bin, gelingt es mir besser, nicht mehr alles zu kontrollieren und auch loslassen zu können. Das ist eine Tatsache.

 

Ein bewusstes „Nein“ zu Stresssituationen

 

Ich habe das Glück ein – so definiert es unsere Gesellschaft – braves Kind bekommen zu haben. Meine Tochter hat kaum Bauchweh oder andere Schmerzen, sie fühlt sich in jeder Umgebung pudelwohl. Sie war ein ersehntes Wunschkind, daher habe ich bereits vor der Schwangerschaft beschlossen, meinen Alltag ruhiger und bewusster zu gestalten. Die Ruhe hat sich auf mein Kind übertragen: Sobald ich während der Schwangerschaft im Alltag Stress verspürte, habe ich einen Gang runtergeschaltet. Ich habe ganz bewusst Verabredungen abgesagt, einfach nur Musik gehört oder bin früh ins Bett gegangen. Dieses Verhalten habe ich bis heute beibehalten. Oft frage ich mich, warum ich erst den Grund der Schwangerschaft brauchte, um dies zu lernen und mehr für mich selbst zu tun.

 

Das Geschenk der Zeitlosigkeit

 

Dann ging es los: Mit der Geburt meiner Tochter hat ein Leben begonnen, das nicht mehr von Zeit bestimmt war. Es war in den ersten Wochen egal, ob gerade morgens oder abends ist. Ich habe mich selbst wie ein Baby in warme Decken eingehüllt, innegehalten und den Moment genossen. Ich kehre immer wieder in diesen Zustand zurück, obwohl drei Monate nach der Geburt mittlerweile wieder Termine und Verabredungen in meinem Kalender stehen. Dann schmiege ich mich eng an meine Tochter, von Angesicht zu Angesicht, und tue einfach gar nichts. Ich kann ruhig liegen, ohne etwas zu „müssen“. So befinde ich mich häufig unter einem großen Moskitonetz auf dem Balkon oder in einem Hängesitz schlafend und schweife meinen Gedanken nach.

 

Ich genieße die Wärme und Nähe zu der Kleinen, zu mir selbst. Allein die Erinnerung an die wundervollen ersten Wochen, die mir im Nachhinein wie ein Schwebezustand voller Glückshormone und Wärme vorkommen, motiviert mich, immer wieder einmal „zeitlos“ zu leben. Ganz ohne Uhrzeit, als hätte es sie niemals gegeben. Das ist die schönste Art der Meditation, die ich jemals erfahren habe.

 

Achtsamkeit im Alltag

 

Ich bemerke fast täglich, dass ich Menschen, Tiere und Gegenstände viel vorsichtiger und achtsamer behandle. Es mag hauptsächlich an den neugierigen, leuchtenden Augen meiner Tochter liegen, die alles so unvoreingenommen und liebevoll betrachten. So fällt mir ein kleiner Falter auf dem Gehweg auf, den ich nicht zertreten möchte, oder ich sehe mir eine ungewöhnliche Blume genauer an und staune über jedes Detail.

 

Auch meinen Gefühlen stehe ich achtsamer gegenüber: Ich war schon immer ein emotionaler Mensch und nahe am Wasser gebaut. Doch während ich mir früher Bemerkungen und Kritik sehr zu Herzen genommen habe, lasse ich die Worte nun auf mich wirken und interessiere mich vielmehr dafür, was die Wirkung hervorgerufen hat. Ich „sehe“ langsamer und gleichzeitig mehr.

 

 

 

Dankbarkeit in ihrer reinsten Form

 

Dieses kleine, oft zerbrechlich wirkende Wesen auf meinem Arm schaut mich so unbedarft an, dass ich täglich daran erinnert werde, wie wertvoll ein Leben ist. Die tiefe Dankbarkeit im Hier und Jetzt zu sein, und dabei auch noch gesund und zufrieden leben zu dürfen, macht mich sehr glücklich. Ich war schon immer ein positiver Mensch und habe mich früher im Arbeitsalltag häufig daran erinnert, wie gut wir es haben – doch meistens war das Gefühl im nächsten Moment verflogen, als etwas vermeintlich Wichtigeres dazwischen kam. Seit der Geburt meiner Tochter wache ich jeden Morgen voller Dankbarkeit auf und erlebe eine Leichtigkeit, die ich zuvor nicht erfahren konnte.

Natürlich gibt es Tage, an denen ich die Planung umwerfen muss und an meine Grenzen stoße. Ich komme zu spät zum Arzt, muss einen geplanten Besuch absagen oder ein Outfit vom vorherigen Tag anziehen, weil keine Zeit zum Bügeln bleibt. Auch wenn mir heiß wird vom eiligen Zusammenpacken, atme ich tief durch und ärgere mich nicht. Unsere Zeit- und Organisationsprobleme sind Luxusprobleme, das ist mir durch meine Tochter bewusst geworden.

 

Genießen trotz der Herausforderung

 

Zwei Stunden nach der Geburt kam mir die Hühnersuppe, die mir mein Freund aufgewärmt hatte, wie ein Festmahl auf Erden vor. Seitdem wurden meine Geschmackssinne neu erweckt: Wenn ich koche, genieße ich jeden Handgriff und verzehre das Essen langsam und voller Genuss. Sogar wenn die Küche danach chaotisch aussieht, ändert das nichts am Genuss des Momentes. Natürlich gibt es immer Herausforderungen. Ich kann kaum noch etwas alleine machen, habe oftmals nur eine Hand frei zum Aufräumen und muss mich extrem einschränken. Ich darf keinen Alkohol trinken, kann nicht mehr spontan ausgehen, shoppen oder verreisen. Doch der Blickwinkel spielt hier eine wichtige Rolle. Ich höre oft von Müttern Sätze wie „Bald wird es besser, dann kann das Kind endlich alleine sitzen.“ Nein, ich will die Zukunft nicht als besser oder schlechter beurteilen. Ich will den Moment genießen. Viele Probleme sind herrlich klein und unwichtig, je nachdem, welchen Standpunkt man gerade einnimmt.

 

Meine selbst verordnete Gelassenheit und Freude haben sich seit der Zeugung auf meine Tochter übertragen. Vielleicht ist sie deshalb auch ganz ruhig auf diese Welt gekommen, mit neugierigen Augen und ohne einen einzigen Schrei. Sogar nach drei Monaten habe ich sie kaum schreien gehört, dafür bin ich sehr dankbar. Alain Delon bringt es für mich auf den Punkt: „Kinder rücken alles Untere an oberste Stelle und gleichzeitig alles an die richtige Stelle.“

 

Stephanie Wilde / Andrea Bruchwitz 

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