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Wenn der Zug aus den Gleisen springt

 

 

Gelegentlich lassen wir unsere Beziehungen auf einer imaginären Schiene fahren: Der Zug hastet im gleichen Rhythmus immer weiter geradeaus. Das ist gemütlich, benötigt kein aktives Eingreifen und erlaubt einen passiven Blick über die vorüberziehende Landschaft. 

 

Es gibt viele Beziehungen, die genau so funktionieren und über Jahre hinweg gemütlich vor sich hinsiechen. Es gibt zwar Probleme, irgendwo weit unter der Oberfläche, aber die aufregende, alles aus den Fugen reißende Konfrontation ist doch zu unangenehm. Mindestens einer der beiden Partner weiß, dass es längst Zeit wäre, grundlegende Dinge zu klären: Was ist das mit uns beiden? Bleibst du nun in der gleichen Stadt oder bewirbst du dich woanders? Blicken wir in die gleiche Richtung? Sind wir noch die Menschen, die wir vor zehn Jahren waren? 

 

Das klingt anstrengend, also wird das Gespräch verschoben, auf nächsten Donnerstag, nächste Woche, auf die Zeit nach Weihnachten. Miese Launen und kleine Streitereien kann man abtun, eine alles in Frage stellende Beziehungskonfrontation nicht. Die trügerische Harmonie bleibt bestehen, doch unter der Oberfläche brodelt es auf mehreren Ebenen.

 

Dieser Zug fährt nicht nur durch Beziehungen, sondern auch durch Freundschaften: Eigentlich sollten bestimmte Dinge längst ausgesprochen sein, aber beide Seiten reißen sich zusammen. Der Abstand zueinander wächst, aber man lässt den Zug weiterfahren - bloß keine Konfrontation mit der Wirklichkeit oder, Gott bewahre, mit den eigenen Emotionen. Es müsste dringlichst einmal laut knallen, um die andere Seite zu verstehen und durch eine Offenbarung wieder zueinander zu finden - aber das macht soviel Krach. 

 

Weiter rast der Zug, durch die eigene Seele, wo sich zwanghafte Muster und schlechte Angewohnheiten ihren Weg in den Alltag bahnen. Man lässt sie an der Grenze passieren, weil eine Auseinandersetzung damit zu anstrengend wäre. Der Zug pfeift durch den Alltag hindurch und man lässt Situationen kommentarlos vorübergehen, weil es zu aufreibend wäre, den Mund aufzumachen. Die Konfrontation ist zu unbequem, zu lästig und sie stört den regelmäßigen Rhythmus des unaufhörlich weiterfahrenden Zuges .-.-.-.-.-.-.-.-.

 

Der Mensch vergisst dabei, dass bei einer Konfrontation, bei der alle Hüllen fallen, meist auch der Ballast hinunterfällt. Man wird durch Konfrontationen angreifbar, aber um Tonnen leichter. Warum meiden wir sie in allen Bereichen?

 

Weil der Rhythmus so entspannend ist, die Reise so sanft, der passive Blick aus dem Fenster so herrlich? Der Zug fährt unaufhörlich weiter, bis irgendwann ein großer Felsbrocken auf der Strecke liegt - dann springt das ganze Gefährt aus den Gleisen und es gibt Verletzte. 

 

 

Andrea Bruchwitz

 

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